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Wenn wir den Netzbetreibern in die Karten blicken dürften, was würden wir da sehen?

Die Karten werden die Netzbetreiber nicht auf den Tisch legen, das ist anzunehmen. So bleibt nur, darüber nachzudenken, „was wäre wenn“ und halt selbst mögliche Karten nacheinander auf den Tisch zu legen.

Die erste Karte:

Da gibt es in Linz ein großes Werk, das dringend seine Produktionsmethode umstellen muss, zum Wohle der Umwelt und damit zu unser aller Wohl. Nicht nur das, es ist auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, denn das Werk hat einen Anteil von 15% aller CO2-Emissionen Österreichs.
Die zukünftigen CO2-Zertifikatspreise werden durch die Decke gehen, sodass eine Produktion am Standort unrentabel wäre und das Unternehmen abwandern würde. Das gilt es auch in unser aller Interesse zu verhindern.

Der Gesamt-Energieverbrauch betrug bei diesem Unternehmen 2019 42,4 TWh (Terrawattstunden), wobei 2,25 TWh davon Strom war. Alleine für den ersten Schritt – den Hybrid-Elektroofen bis 2030 – rechnet der Konzern mit bis zu 3 TWh Energie zusätzlich (Quelle: www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft /oesterreich/2121994-Klima-Upgrade-fuer-den-Hochofen.html).

Im Vergleich dazu: Ende 2021 erzeugten in Österreich 1.307 Windkraftanlagen 3.300 MWh (Megawattstunden) – Tendenz steigend – sauberen und umweltfreundlichen Strom. Hochgerechnet mit rund 2.000 Betriebstagen ergibt das rund 6,6 TWh. Das sind rund 10% des österreichischen Stromverbrauchs. (Quelle: https://www.igwindkraft.at/fakten/?xmlval_ID_KEY%255B0%255D=1234).

Fazit: wir haben leider diese, für die neuen Hybrid-Elektroöfen, zusätzliche Energiemenge in Österreich nicht zur Verfügung. Die heimische Wasserkraft deckt ja nicht einmal unseren „normalen“ Bedarf. Also muss die zusätzliche Energie importiert werden.

Die zweite Karte:

Aber es gibt in der Nähe von Budweis ein großes Unternehmen, das Strom erzeugt (rund 60 km nördlich von uns Mühlviertlern). Ein weiteres in Dukovany (rund 40 km nördlich des Weinvierteles) – Atomstrom.

Die können in Summe 36 TWh erzeugen. Aus fossiler Energie (meist Kohle) kann in CZ sogar noch zusätzlich die 3fache Menge erzeugt werden. In Summe exportiert CZ rund 25 TWh. Wohlgemerkt, alles vor dem Ausbau weiterer geplanter Reaktoren. (Quelle: www.laenderdaten.info/ Europa/Tschechien/energiehaushalt.php).

Nachfolgend ein Auszug eines Interviews mit dem ehem. CZ Ministerpräsidenten Andrej Babiš (Die Presse 13.12.2019): Ich finde es sehr komisch, dass Österreich – das ja gegen Atomkraft ist – 25 Prozent seiner Energie aus der Tschechischen Republik bezieht, sagte er. „Es ist also sehr seltsam, dass sie dagegen protestieren, dass wir Energie für sie produzieren. Die Österreicher sollten wissen, dass es weniger Energie für sie geben wird, wenn wir sofort klimaneutral werden sollen.“

Die dritte Karte:

Die wäre dann wohl die von unseren Netzbetreibern Energie AG und Linz AG. Nichts einfacher als das, die beiden Unternehmen, den tschechischen Stromerzeuger und die VOEST als „Connector“ zu verbinden.

Doch wie erklärt man das der Bevölkerung, wo doch Mitglieder der Landesregierung angeblich gegen die Atomkraftwerke in CZ sind.

Also sagt man für’s erste, das Mühlviertel hat enormen Strombedarf, und für die Versorgungssicherheit braucht man ein Netz von 110 KV Leitungen.
Neuerdings heißt es auch, wir benötigen diese neue Freileitung zur „Ableitung“ der im Mühlviertel erzeugten Energie. Man beabsichtigt drei 20 ha große Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen (in Rohrbach, in Bad Leonfelden, in Waldburg) zu installieren.
Wo bleibt da der vorherige sinnvolle Ausbau von Photovoltaik auf den 200.000 Dächern, Hallen und über Parkplätzen, wie von der Landesregierung propagiert? (Quelle: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/253410.htm).
Wohl wissend, dass durch den Ausbau der erneuerbaren Energiemöglichkeiten wie Photovoltaik und Windkraft die Region auf Sicht relativ autark sein wird, also der Strom lokal produziert und auch lokal verbraucht wird.

Aber wie soll man der Bevölkerung erklären, dass das Ziel eigentlich eine 220 KV Leitung sein wird? Denn die ist wohl erforderlich, wenn die VOEST mit Atomstrom aus CZ gespeist werden soll.
Nun gibt es zwar bereits eine Leitung von Rainbach über Freistadt in Richtung Linz, aber diese ist als Freileitung ausgeführt, demnach „Wind und Wetter“ ausgesetzt und wird auch fallweise ausfallen. Der Klimawandel wird das Problem durch Stürme, Waldbrände udgl. wesentlich verstärken. Die Hochöfen dürfen aber nicht stillstehen, ein erneutes „Hochfahren“ ist extrem schwierig und klappt nicht immer so einfach.

Also ist eine „Backup-Leitung“ über Rohrbach nach Linz sicherlich hilfreich. Übrigens, CZ baut auch eine 110 KV Leitung nach Kaplice! Da ist wohl ein „Lückenschluss“ über die Grenze naheliegend.

Die vierte Karte:

Wunderbar, wenn da nur nicht die „störrischen“ Mühlviertler wären. Die vierte Karte sind dann wohl wir.

Zuallererst, wir wollen und brauchen die VOEST als Leitbetrieb, als großen Arbeitgeber und als Aushängeschild der oberösterreichischen Wirtschaft. Wir wissen auch, dass die VOEST diesen enormen Energiehunger hat und wir können und wollen diesen „Connect“ auch nicht verhindern, obwohl uns die Toleranz von „Atom“-Strom natürlich schon ein schlechtes Gewissen bereitet.

Aber dann bitte alle Karten auf den Tisch! Pflügt gleich eine 220KV Leitung in die Erde und es wird Gras darüber wachsen.
Die VOEST bekommt die erforderliche Energie, CZ und vor allem unsere Netzbetreiber machen ein gutes Geschäft – und wir?
Wir sind schon halbwegs zufrieden, wenn wir unser Landschaft schützen, wenn wir unsere Gesundheit nicht gefährden, wenn Wild- und Nutztiere nur geringfügig beeinträchtigt werden. Für alle eine win-win Situation oder? Ganz sicher für die Karten eins bis drei.

Die Schlussfolgerung:

Ach ja, die Wahrheit ist uns zumutbar, also die Karten auf den Tisch. Definitiv behindert bzw. verzögert die Landespolitik – und auch die Linzer Stadtpolitik – mit ihren weisungsgebundenen Unternehmen Linz AG und Energie AG den Netzausbau.

Man will partout „mit dem Kopf durch die Wand“ und die Uralttechnologie Freileitung mit gelöschtem Netz (Patent aus dem Jahr 1917) durchsetzen, koste es was es wolle.

Wenn die Herrschaften sich für eine jetzt wahrscheinlich schon „preisgünstigereErdkabelvariante (aktuelle enorm gestiegene Stahl- Betonpreise, jetzt 2-3fach höhere Grundablösesummen) erwärmen hätten können, hätten sie die Bevölkerung hinter sich und der Strom würde schon lange fließen!

Die Energie AG und die Linz AG hätten über die Jahre mit dieser Erdkabelleitung schon viel Geld verdient und könnten uns dadurch auch günstigere Energie anbieten. Wäre das nicht die eigentliche Aufgabe für Unternehmen, die sich überwiegend in öffentlicher Hand befinden?

Für den Verein, Rudolf Niederwimmer

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HALTUNG –  standhaft im Einsatz für eine nachhaltige Erdkabellösung

(Kronen Zeitung / OÖ, 30. 6. 2022)

 

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