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Teures Stromnetz ab 2027: Es geht um 15 Minuten

„Ab dem 1. Jänner 2027 ändert sich die Abrechnung für die Nutzung des heimischen Stromnetzes grundlegend. Während bisher vor allem der reine Jahresverbrauch ins Gewicht fiel, greift künftig für alle normalen Strombezieher ein neues System. Das betrifft das gesamte sogenannte Niederspannungsnetz, vom Einfamilienhaus über die Tischlerei bis zur örtlichen Gastronomie.

Das Neue daran: Künftig kann eine einzige Viertelstunde bestimmen, wie teuer der Monat wird. Der sogenannte Leistungspreis richtet sich ab 2027 nämlich nach der höchsten Lastspitze. Laufen also in einem Betrieb innerhalb von 15 Minuten Maschinen, Kühlanlagen und E-Ladestationen gleichzeitig auf Hochtouren, treibt das die Netzkosten für den ganzen Monat massiv in die Höhe.“

https://www.dolomitenstadt.at/2026/08/18/teures-stromnetz-ab-2027-es-geht-um-15-minuten/

Ab 1. Jänner 2027 soll sich die Abrechnung der Stromnetzkosten grundlegend ändern. Bisher zählt für normale Haushalte vor allem, wie viele Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht werden. Künftig soll zusätzlich entscheidend sein, wie viel Leistung ein Kunde kurzfristig aus dem Netz bezieht.
Eine Viertelstunde kann entscheidend sein. Der Smart Meter misst den Strombezug in 15-Minuten-Intervallen. Der höchste dieser Werte kann künftig für den sogenannten Leistungspreis herangezogen werden.

Ein Beispiel:
Das Elektroauto lädt mit 11 kW, gleichzeitig läuft die Wärmepumpe, der Boiler heizt Wasser und vielleicht sind noch Waschmaschine oder Geschirrspüler in Betrieb. Dann entsteht eine hohe Leistungsspitze.
Und genau diese Spitze kann künftig die Netzkosten erhöhen – obwohl der gesamte Jahresverbrauch gar nicht besonders hoch sein muss.
Nach dem derzeitigen E-Control-Modell sind für die niedrigste Netzebene Leistungspreise vorgesehen. Als Beispiel werden derzeit 33,82 €/kW und Jahr bis 10 kW und 67,64 €/kW und Jahr darüber genannt. Also eine Verdopplung der Kosten! Die endgültigen Tarife für 2027 stehen allerdings noch nicht fest.
E-control – Grundsatzverordnung und neue Netzentgeltstruktur

Doch 2027 kommt nicht aus dem Nichts!
Die neue Abrechnung trifft uns Stromkunden nach Jahren teilweise kräftiger Netzkostenerhöhungen.

Die Entwicklung und die jeweiligen Begründungen sind in den Tarifentscheidungen und Mitteilungen der E-Control dokumentiert.
E-Control – Stromnetzentgelte 2025  –  E-Control – Stromnetzentgelte 2026

Der entscheidende Punkt: Es fließt nicht mehr Strom durchs Netz!
Oft wird der Eindruck vermittelt, dass der Strombedarf ständig steigt und deshalb immer größere Netze erforderlich sind.
Ein Blick auf die Stromabgabe an Endkunden über das öffentliche Netz zeigt jedoch ein anderes Bild:
2015: rund 57,4 Twh – 2024: rund 55,2 TWh
Damit wurden 2024 rund 2,2 TWh bzw. 3,8 % weniger Strom über das öffentliche Netz an Endkunden abgegeben als 2015.
E-Control – Statistikbroschüre mit historischen Stromdaten

Von ständig steigenden Strommengen im öffentlichen Netz ist also nichts zu sehen. Im Gegenteil: Photovoltaik und Eigenversorgung führen dazu, dass immer mehr Strom direkt dort erzeugt und verbraucht wird, wo er gebraucht wird.
E-Control nennt die
rückläufigen Abgabemengen aufgrund verstärkter Eigenversorgung ausdrücklich als einen Faktor für steigende Netzentgelte.
E-Control – Netzentgelte und Regulierung

Und hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Warum wird bei sinkender Netznutzung nicht stärker gespart?
Wenn weniger Strom über ein Netz transportiert wird, könnte man erwarten, dass langfristig auch die Infrastruktur angepasst und Kosten reduziert werden.
Beim Strom passiert bisher vielfach das Gegenteil:
Die Netzmengen gehen zurück – gleichzeitig steigen die anerkannten Kosten und die Netzentgelte.
Jede neue Leitung kostet nicht nur beim Bau. Netzbetreiber erhalten ihre anerkannten Kosten über die regulierten Netzentgelte ersetzt. Dazu gehört auch eine hohe Verzinsung des eingesetzten Kapitals.
Der entscheidende Punkt bleibt: Eine neue Leitung ist nicht nur eine einmalige Investition. Sie erzeugt langfristig anerkannte Kosten – einschließlich Kapitalkosten –, die über die Netzentgelte finanziert werden.
E-Control – Regulierungssystematik Strom, 5. Regulierungsperiode

Deshalb muss die Frage erlaubt sein: Muss jedes Netz, das irgendwann einmal gebraucht werden könnte, auch tatsächlich gebaut werden?
Oder wäre es manchmal günstiger, vorhandene Netze besser auszulasten, den Verbrauch zeitlich zu steuern, Speicher einzusetzen und nicht benötigte Infrastruktur zurückzubauen?

Beim Gas ist man bereits einen Schritt weiter. Interessanterweise wird diese Frage beim Gas inzwischen ganz offen gestellt. E-Control spricht angesichts der rückläufigen Gasnachfrage davon, dass die Gasnetze redimensioniert werden müssen, um Kosten einzusparen.
E-Control – Transformation des Gasnetzes

Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Wenn ein Netz dauerhaft weniger gebraucht wird, muss seine Größe an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. In Wien ist beispielsweise vorgesehen, bis 2040 rund 4.000 km Gasverteilerleitungen stillzulegen.
E-Control – Tätigkeitsbericht 2025, Transformation

2027: Neue Abrechnung statt einfach weniger Kosten
Die neue 15-Minuten-Abrechnung soll die Netzkosten verursachungsgerechter verteilen. Das kann sinnvoll sein.
Aber:
„Aufkommensneutral“ heißt nicht „für alle gleich teuer“. Nach dem aktuellen E-Control-Modell könnten rund 75 % der Zählpunkte weniger, aber rund 23 % mehr bezahlen.
Für jene Gruppe, die stärker belastet wird, wird im Modell durchschnittlich eine Mehrbelastung von rund
198 Euro pro Jahr bzw. 32,7 % ausgewiesen.
E-Control – Modell zur neuen Netzentgeltstruktur ab 2027

Das bedeutet: 2027 ist nicht automatisch für jeden eine Preiserhöhung.
Aber für einen beträchtlichen Teil der Kunden kann die neue Berechnung deutlich teurer werden. Und die endgültigen Tarife sind noch gar nicht beschlossen.


Was kann man selbst tun?

Wer seine Leistungsspitze möglichst niedrig halten möchte, kann:

  • E-Auto langsamer laden, beispielsweise mit 3,7 statt 11 kW.

  • Wärmepumpe und E-Auto nicht gleichzeitig mit voller Leistung betreiben.

  • Boiler zeitlich versetzen.

  • Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler und Backofen nicht gleichzeitig mit Großverbrauchern betreiben.

  • PV-Strom möglichst direkt für E-Auto, Boiler und andere größere Verbraucher nutzen.

  • Batteriespeicher zur Vermeidung von Leistungsspitzen einsetzen.

  • Ein Energiemanagementsystem zur automatischen Steuerung verwenden.


Die eigentliche Frage lautet aber:

Warum werden die Netze immer teurer, obwohl über das öffentliche Stromnetz nicht mehr, sondern weniger Strom fließt?
Die Energiewende darf nicht zu einem System führen, bei dem weniger Netzbezug → weniger Einnahmen → höhere Netzentgelte → neue Investitionen → höhere Kapitalkosten → noch höhere Netzentgelte zum Dauerprinzip wird!

Natürlich braucht die Energiewende leistungsfähige Netze. Aber genauso wichtig ist: nicht blind auszubauen, sondern wirtschaftlich zu planen.

  • Wo braucht es tatsächlich neue Leitungen?

  • Wo reichen bestehende Netze?

  • Wo können Lastmanagement, Speicher und Eigenverbrauch Netzausbau vermeiden?

  • Und wo muss Infrastruktur, die dauerhaft nicht mehr gebraucht wird, auch beim Strom irgendwann reduziert werden?

2027 geht es deshalb nicht nur um 15 Minuten.

Es geht um eine viel größere Frage:
Wie viel Stromnetz brauchen wir wirklich –
und wer bezahlt dafür?

IG Landschaftsschutz Mühlviertel – Rudolf Niederwimmer

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Ein Gedanke zu „Teures Stromnetz ab 2027: Es geht um 15 Minuten“

  1. Ich finde es auch für sinnvoll wenn nach Möglichkeit Energie aus dem eigenen Umfeld zu nutzen bzw
    verbrauchen
    Somit bleibt Wertschöpfung in der Region.
    Meine Meinung ist: ENERGIEVERBRAUCH ist viel Kopfsache { so könnte viel Energie gespart werden wenn der Verbrauch nach Möglichkeit so angesetzt wird, wenn es Energie in Fülle gibt z.B. bei der Sonnenenergie}

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