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Google-Rechenzentrum – Hat es Auswirkungen auf unser Mühlviertel?

Wir haben kein Problem mit Künstlicher Intelligenz. KI wird unsere Zukunft verändern – so wie damals das Internet. Beides bringt enorme Chancen, aber auch Risiken.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir ein KI-Rechenzentrum brauchen.
Die entscheidende Frage lautet: Ist Kronstorf der richtige Standort?

Ein Stromverbrauch wie ein großes Kraftwerk
Das geplante Google-Rechenzentrum soll in der ersten Ausbaustufe bereits bis zu 1,3 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr verbrauchen. Im Endausbau sollen es bis zu 4,4 TWh jährlich sein. Das entspricht ungefähr einem Drittel des gesamten heutigen Stromverbrauchs Oberösterreichs.

Oder anders gesagt: Für dieses eine Rechenzentrum müsste das ganze Jahr – Tag und Nacht – ungefähr die Leistung eines großen Kernkraftwerksblocks mit rund 500 Megawatt bereitstehen.

Woher soll dieser Strom kommen?
Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Heute gibt es diesen zusätzlichen Strom in Oberösterreich nicht. Um 4,4 TWh Strom ausschließlich mit Windkraft zu erzeugen, wären – je nach Windverhältnissen – zwischen 244 und 440 moderne Windräder notwendig.
Unter durchschnittlichen Bedingungen in Österreich wären es rund 300 neue Windräder. Wie viele davon im Mühlviertel?
Diese Windräder gibt es heute nicht. Sie müssten erst genehmigt, gebaut und an das Stromnetz angeschlossen werden. Wenn dieser Ausbau nicht gelingt, muss Österreich zusätzlichen Strom aus dem europäischen Stromnetz beziehen.

Dieser Strom kann – je nach Angebot am Strommarkt – auch aus Ländern mit einem hohen Anteil an Kernenergie stammen, beispielsweise aus Tschechien mit dem Kernkraftwerk Temelín.
Niemand behauptet, dass Google direkt mit Strom aus Temelín versorgt wird. Aber ebenso kann heute niemand garantieren, dass ein zusätzlicher Bedarf von bis zu 4,4 TWh ausschließlich mit österreichischem Ökostrom gedeckt werden kann.

Daten lassen sich über Glasfaserkabel nahezu verlustfrei über hunderte oder sogar tausende Kilometer übertragen. Strom dagegen muss erzeugt, transportiert und verteilt werden.

Der eigentliche Denkfehler:
* Nicht die Glasfaser ist das Problem.
* Nicht die Daten sind das Problem.
* Das Problem ist die Strommenge.

Dafür braucht es:
* Neue Hochspannungsleitungen – in unserem Fall Erdkabelleitungen,
* hohe Investitionen und dadurch höhere Netzkosten für alle Netzkunden,
* Eingriffe in Natur und Landschaft.

Darum stellt sich eine einfache Frage: Warum baut man einen der größten Stromverbraucher Österreichs nicht dort, wo der Strom bereits vorhanden ist?
Ein Standort in der Nähe großer Kraftwerke – zum Beispiel in der Region Temelín – wäre aus energietechnischer Sicht zumindest eine prüfenswerte Alternative gewesen.
Die Daten könnten anschließend problemlos über eine leistungsfähige Glasfaserleitung nach Oberösterreich übertragen werden. Daten über Glasfaser zu transportieren ist wesentlich einfacher und günstiger als riesige Strommengen über viele Kilometer zu transportieren. Mit enormen Netzverlusten über diese weite Strecke.

Was bedeutet das für unser Stromnetz?
Schon die erste Ausbaustufe benötigt eine Anschlussleistung von rund 150 Megawatt. Im Endausbau werden rund 500 Megawatt benötigt. Eine einzelne 110-kV-Leitung reicht für diese Leistung voraussichtlich nicht aus. Es werden daher weitere Netzausbauten notwendig sein. Diese Kosten trägt nicht Google alleine. Ein Teil wird über das öffentliche Stromnetz finanziert – und damit letztlich von allen Stromkundinnen und Stromkunden mitbezahlt.

Welche Rolle wird dabei die geplante Mühlviertel-Leitung künftig spielen?
Bleibt sie eine reine Regionalleitung oder könnte sie – gemeinsam mit weiteren Leitungen – künftig Teil eines größeren Transportkorridors für Strom aus dem Norden werden?

Die Natur zahlt den Preis
Für das Rechenzentrum werden rund 50 Hektar bester Ackerboden dauerhaft verbaut. Diese Flächen sind für Generationen verloren. Mit ihnen verschwinden Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Auch das Landschaftsbild verändert sich dauerhaft.

Millionen Liter Grundwasser – jeden Tag
Für die Kühlung der Server soll Grundwasser verwendet werden. Nach den bisher veröffentlichten Unterlagen dürfen täglich bis zu 5,8 Millionen Liter Wasser genutzt werden. Das sind 5.800 Kubikmeter pro Tag oder umgerechnet rund 840 olympische Schwimmbecken pro Jahr. Das Wasser wird aus Brunnen entnommen, durch das Rechenzentrum geleitet und anschließend mit einer Temperatur von bis zu 30 Grad Celsius wieder in die Enns eingeleitet. Wobei dies für den Fischbestand ein Problem werden könnte. Ein Teil des Wassers verdunstet dabei und steht dem natürlichen Wasserkreislauf nicht mehr unmittelbar zur Verfügung.

Auch wenn alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden, stellt sich die Frage:
Ist es sinnvoll, in Zeiten zunehmender Trockenperioden täglich Millionen Liter Grundwasser für die Kühlung eines Rechenzentrums zu verwenden und erwärmt in einen Fluss zurückzuleiten?

Und was bleibt Oberösterreich?
Für einen der größten Stromverbraucher Europas
* werden wertvolle Böden verbaut,
* große Mengen Grundwasser genutzt,
* wird die Enns zusätzlich erwärmt,
* das Stromnetz massiv ausgebaut
* und möglicherweise zusätzlicher Strom importiert.

Dem gegenüber stehen vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze. Auch die tatsächlichen Steuereinnahmen sind offen. Internationale Digitalkonzerne nutzen seit Jahren legale internationale Steuerstrukturen. Ein Teil der Gewinne wird häufig in Ländern mit niedrigeren Unternehmenssteuern versteuert (z.B. Irland).

Die entscheidende Frage
Worauf soll Oberösterreich bei diesem Projekt eigentlich stolz sein?
* Auf einen zusätzlichen Stromverbrauch von bis zu 4,4 TWh pro Jahr?

* Auf rund 300 neue Windräder, die erst gebaut werden müssten?
* Auf weitere Stromleitungen?
* Auf den Verlust bester Ackerflächen?
* Auf täglich 5,8 Millionen Liter Grundwasser, die zur Kühlung genutzt werden?

Oder darauf, dass einer der reichsten Konzerne der Welt die natürlichen Ressourcen unserer Region nutzt, während ein erheblicher Teil der langfristigen Belastungen von Natur, Bevölkerung und öffentlicher Infrastruktur getragen wird?

Fazit
Niemand ist gegen Digitalisierung. Niemand ist gegen Künstliche Intelligenz. Aber gerade deshalb sollte ein Rechenzentrum dieser Größenordnung dort errichtet werden, wo ausreichend Energie vorhanden ist und Natur, Wasser und Infrastruktur möglichst wenig belastet werden.
Vielleicht sollten nicht riesige Strommengen zum Rechenzentrum transportiert werden. Vielleicht wäre es klüger, die Daten über Glasfaser dorthin zu schicken wo sie benötigt werden und das zugehörige Rechenzentrum dort zu bauen, wo der Strom bereits vorhanden ist.
Denn am Ende geht es nicht um Google. Es geht um die Frage, welche Zukunft wir für Oberösterreich wollen – und welchen Preis wir bereit sind, dafür zu bezahlen.

IG Landschaftsschutz Mühlviertel – Rudolf Niederwimmer

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