Liebe Leonore,
bei einem Zusammentreffen im vergangenen Jahr haben wir über das UVP-Verfahren 110 kV Freileitung im Mühlviertel unter der „Schirmherrschaft“ von LR Kaineder gesprochen. Du wolltest mit deinem Partei-Stellvertreter darüber sprechen. Leider habe ich keine Antwort von dir erhalten.
Nun hat Hr. Kaineder – offensichtlich sehr freudig – in der Presse verkündet, dass das UVP-Verfahren „erfolgreich“ abgeschlossen wurde.
Dieser UVP-Bescheid, der in nächster Zeit beim BVwG und womöglich auch beim VwGH aufschlagen wird, ist nicht nur für die Natur und die menschlichen Lebensgrundlagen ein Armutszeugnis, sondern auch für die Umwelt- und Klimapolitik des Landes.
Immerhin werden 70 ha Wald vernichtet, wobei jetzt schon abzusehen ist, dass diese 40 Meter breiten Schneisen weitere enorme Waldschäden nach sich ziehen werden (Käferbefall, Windbruch, etc.). Neue Leiterseile von Freileitungen können bis 200 Grad heiß werden, sind also eine zusätzliche enorme „Klima-Heizung“.
Wir als IG Landschaftsschutz Mühlviertel sind nicht gegen den 110 kV Leitungsbau an sich. Wir wollen nur, dass diese Leitung als für Menschen und Natur verträgliche Lösung, also Erdkabel, ausgeführt wird.
Die Landesregierung in OÖ, deren Mitglied ja auch dein Stellvertreter ist, und die Energie AG, in der auch ein Delegierter deiner Partei Sitz und Stimme hat, will mit aller Gewalt eine Freileitung realisieren. Sie nehmen dafür sogar jahrelange Verzögerung in Kauf.
Hauptargument sind höhere Kosten für eine Erdkabellösung gegenüber einer Freileitung. Dies ist jedoch nur bedingt richtig. Die Errichtungskosten einer Erdkabelleitung sind um den Faktor 1,6 höher als die Errichtung einer Freileitung. Jedoch drehen die Folgekosten über die Lebensdauer dieser geplanten Freileitung das Ergebnis ins Gegenteil und bedeuten nach 80 Jahren Laufzeit einen Minderkosten-Faktor beim Erdkabel von 0,9.
Denn die Instandhaltungskosten für Freileitungen sind um den Faktor 4 höher als für Erdkabel. Dies sagt eine Studie von E&Y im Auftrag des Landes OÖ. Wenn man den Mehr-Netzverlust von Freileitungen gegenüber Erdkabel berücksichtigt, könnte man die gesamten Haushalte der Stadt Bad Leonfelden mit kostenlosem Strom versorgen. Also eine enorme Energieverschwendung, die die Netzbetreiber offensichtlich nicht stört, denn diesen Verlust verrechnen sie uns als Netzverlustentgelt.
https://muehlviertel110kv.at/2026/02/01/kostenvergleich-erdkabel-versus-freileitung/
Wäre daher eine Erdkabellösung nicht auch klassische grüne Politik?
Hr. Kaineder ist Landesrat für Umwelt- und Klimaschutz.
Umweltschutz ist ein weit gefasster Oberbegriff für den Schutz der gesamten Natur und menschlichen Lebensgrundlagen. Klimaschutz ist ein spezifischer Teilbereich davon, der sich gezielt auf die Begrenzung der globalen Erwärmung konzentriert.
Die Natur und die menschlichen Lebensgrundlagen sind aus politischer Sicht im Mühlviertel offenbar „nicht so wichtig“. Ameisen werden im geplanten Freileitungsbereich umgesiedelt, wie Hr. Kaineder groß hervorhebt. Die betroffenen Menschen im selben Einflussbereich der geplanten Freileitung hingegen müssen das wohl „aushalten“. Um des „lieben Gewinnes anderer“ willen?
Liebe Grüße, Rudolf
IG Landschaftsschutz Mühlviertel, Rudolf Niederwimmer