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Warum will das Land OÖ unbedingt den Stromverbrauch erhöhen?

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Von allen Seiten werden wir ermuntert, den Stromverbrauch zu senken. Der Umwelt zu Liebe. Dazu unterhält das Land OÖ sogar einen eigenen Energiesparverband. So weit, so sinnvoll.

Der Internet-Gigant Google plant in Kronstorf, zwischen Enns und Steyr gelegen, ein riesiges Rechenzentrum. Auf bis zu 50 ha soll ein Hyperscale-Rechenzentrum, Teil des europäischen Google-Netzwerks (Google Cloud, YouTube etc.) errichtet werden. Für Österreich wäre es das erste Google-Rechenzentrum, in Europa wäre es Nummer 12/13. Konkret werden in der ersten Bauphase aber nur rund 4 ha Boden versiegelt.

Google braucht für sein geplantes Rechenzentrum vor allem eines: viel Strom. „Fast 1.000 Megawatt Leistung will sich der US-amerikanische IT-Konzern dem Vernehmen nach als langfristige Kapazität sichern. Hier handelt es sich um die sogenannte Bandlast – also den konstanten Verbrauch von Strom, um beispielsweise ein Rechenzentrum zu betreiben.

Zum Vergleich: Die Spitzenlast (Zeitpunkt der höchsten Stromnachfrage aller Verbraucher) im gesamten Zentralraum Linz-Wels-Steyr liegt derzeit stundenweise bei rund einem Gigawatt. Die voestalpine hatte im Vorjahr 180 Megawatt Spitzenstromlast, inklusive des künftigen Elektrolichtbogenofens werden 320 Megawatt erwartet.“
https://energynewsmagazine.at/2025/11/04/fast-ein-gigawatt-strombedarf-google-setzt-die-naechsten-schritte-in-kronstorf/?utm_source=chatgpt.com

Blick in die Zukunft: „grüner Stahl“ versus Rechenzentrum

Die Voest plant den Umstieg auf Elektrolichtbogenöfen und H₂-Route, wodurch sich der Strombedarf massiv erhöht. In vielen Szenarien landet die Stahlproduktion dann ebenfalls im Bereich von zusätzlich mehreren TWh pro Jahr an Strom (1 TWh = 1.000.000 MW).

Das heißt, langfristig können beide Projekte – „grüner Stahl“ und Google-RZ – in einer ähnlichen TW-Liga spielen und haben entsprechend große Auswirkungen auf Netzausbau und Stromerzeugung (Wind, PV, Wasser) und vor allem auch auf den Import.

Diese Großabnehmer unterhalten eigene Abteilungen, die sich nur mit der Beschaffung von günstiger Energie beschäftigen. Üblicherweise werden große Mengen über Terminkontrakte und Börsen, den laufenden Bedarfssituationen angepasst, geordert.

Die Voest Linz liegt derzeit größenordnungsmäßig bei etwa 4-7% des gesamten österreichischen Stromverbrauchs.
Ein voll ausgelastetes Google-RZ Kronstorf käme theoretisch auf rund 12% des österreichischen Stromverbrauchs.
Die Voest, nach Implementierung der Elektrolichtbögen, käme auf rund 11% des gesamten österreichischen Stromverbrauchs.

Und noch ein Vergleich: die Voest beschäftigt am Standort Linz rund 12.000 Mitarbeiter. Google wird in der Phase I rund 50 Mitarbeiter beschäftigen. Später, so hört man, könnten es 100 Mitarbeiter werden.

Welche „Köder“ wurde ausgelegt, um Google nach Oberösterreich zu holen?

Die Aussage des BGM von Kronstorf: „Wir vermuten, dass wir bei der Standortentscheidung im Wettbewerb mit 10-12 Ländern gestanden sind, bedarf eigentlich einer Hinterfragung. https://www.krone.at/3957104

Strom:
Woher kommt diese riesige Menge? Annahme, aus den AKWs in Tschechien? Wurde berücksichtigt, dass daraus ein enormer Netz- und Speicherausbau resultiert, den wiederum die Gesamtheit der Stromkunden zu finanzieren hat?

Netzkosten:
Mit welcher Spannungsebene wird der Strom bereitgestellt? Schon bei Ebene 4 betragen die Kosten nur rund 1/5 gegenüber Privatkunden. Es ist jedoch anzunehmen, dass über Spannungsebene 2 oder 3 geliefert wird, also noch wesentlich günstiger.

Wasser:
Zur Kühlung wird Wasser aus der Enns entnommen und „angewärmt“ zurück geleitet. Wenn das Wasser zu warm wird, kann es zu wenig gelösten Sauerstoff enthalten. In der Folge können Fische sterben, Algenblüten sich explosionsartig vermehren und biologische Vielfalt verloren gehen. Werden die Fischbestände das verkraften? Oder wird womöglich das warme Abwasser gezielt für die Zucht von Fischen, die tropische/subtropische Temperaturen bevorzugen (Tilapia, Wels, bestimmte Karpfen) , eingesetzt?

Förderungen:
Welche Förderungen wurden zugesagt?

Erträge Gemeinde:
Die Kommunalsteuer auf Berechnungsbasis von 50 Mitarbeitern ist wohl überschaubar, die Grundsteuer fällt kaum ins Gewicht. Welche Steuervorteile wurden womöglich zusätzlich gewährt?

Erträge Bund:
An den Lohnsteuer- und Sozialversicherungs-Abgaben wird kein Weg vorbei führen. An der Körperschaftssteuer (Unternehmensgewinne) und an der Mehrwertsteuer fürchte ich jedoch schon. Die europäische Zentrale von Google sitzt in Dublin, Irland. Grund für diesen Standort sind die sehr-sehr niedrigen Steuern für US-IT-Konzerne. Einfach gesagt, über firmeninterne „Lizenzregeln“ werden Gewinne von der Zentrale „abgeschöpft“, sodass in Hochsteuerländern wie Österreich halt keine Gewinne mehr übrig bleiben.

Zusammengefasst: Die OÖ Landesregierung genehmigt „Ehrenfelder“, ähnlich Ohlsdorf, in Serie. Gewinner bei Google Kronstorf sind in erster Linie Google selbst, die Netzbetreiber und Energielieferanten. Bei diesen gigantischen Abnahmemengen ergeben auch sehr kleine Cent-Beträge große Umsatzsummen.
Darüber hinaus lassen sich gleich auch wieder große Netzausbauprojekte (auf unser aller Kosten) argumentieren.
Für uns Mühlviertler bedeutet das, dass das Gerücht von der Update-Fähigkeit „unserer“ Leitung auf 220 kV (oder womöglich 380 kV?) wieder näher an die Wahrheit rückt.
Diese Strommengen sind in Österreich einfach nicht vorhanden, auch wenn wir derzeit Stromexporteur sind. So viele Windräder können wir gar nicht bauen, um diese enorme Strommenge zu produzieren. Tschechien hingegen baut ihre AKWs aus.
Damit gewinnt auch die CZ-Leitung nach Kaplice wieder mehr Bedeutung. Ein „Lückenschluss“ Kaplice – Rainbach würde für die Netzbetreiber da wohl Sinn machen.

IG-Landschaftsschutz Mühlviertel – Rudolf Niederwimmer

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