Betroffene Bürger der Gemeinde Bad Leonfelden haben einen Antrag auf Durchführung einer Volksbefragung zum Standort des Umspannwerkes in Langbruck eingebracht. Dies deshalb, weil die geplante 110 kV Freileitung, zu der dieses Umspannwerk gehören würde, eine enorme Entwertung ihrer Liegenschaften bewirken würde. Hierfür würde es keine Entschädigung geben.
Die Fragestellung, die dieser terminlich von der Behörde noch festzusetzenden Volksbefragung zu Grunde liegt, lautet:
„Soll der Gemeinderat der Stadtgemeinde Bad Leonfelden das Grundstück mit der Nr. 1412/2 (KG Dietrichschlag) im Ausmaß von 6.951 m2 in Langbruck mit einer Bauland-Sonderwidmung für die Errichtung eines Umspannwerkes versehen?“
Die von der 110 kV Freileitung betroffenen Anrainer und Grundbesitzer der Stadtgemeinde Bad Leonfelden ersuchen um die Unterstützung aller Bürger(innen), die im Wählerverzeichnis der Stadtgemeinde Bad Leonfelden eingetragen sind.
Bis 21. April 2025 liegt dieser Antrag am Stadtamt auf. Bitte nehmt euch die Zeit und unterstützt diesen Antrag mit eurer Unterschrift am Stadtamt.
Zu den Hintergründen
Die Linz Netz und die Netz OÖ beabsichtigen, im Ortsteil Langbruck gemeinsam ein Umspannwerk für die von ihnen geplante 110 kV Freileitung zu errichten.
Dieses Umspannwerk soll rund 25 m x 60 m und rund 8 m hoch werden und hat die Abmessungen einer mittelgroßen Fertigungshalle (ungefähr halb so groß wie die ehemalige M-Tron Halle).
Ein derartiger Koloss auf der grünen Wiese ist mehr als unansehnlich. Die Gegend ist geprägt von Einzelgehöften und unverbauter Natur. Warum will man diese noch intakte Naturlandschaft zerstören, wo es doch besser geeignete Standorte gibt?
Die Netzbetreiber haben einseitig einfach diesen Standort auserkoren, damit dort deren geplante 110 kV Freileitungen „aufeinandertreffen“ und verbunden werden können.
Sollte dieser Standort von der Stadtgemeinde Bad Leonfelden genehmigt werden, würde diese auch die 110 kV Freileitung „zementieren“.
Wir ersuchen daher die Stadtgemeinde Bad Leonfelden, einen alternativen Standort im Bereich der Gewerbegebiete zu prüfen. In diesem Gebiet befinden sich auch die größten Stromabnehmer. In diesem Nahbereich verläuft aber auch die Gasleitung. Entlang dieser Gasleitung sollte, so sagt es zumindest der Hausverstand, die 110 kV Leitung als Erdkabel ausgeführt, von Rainbach nach Rohrbach verlegt werden.
Einfach auch deshalb, weil ab der Gas-Pumpstation in Vorderweißenbach ohnehin eine zweite Gasröhre in Richtung Rohrbach eingegraben wird. Rechtlich und fachlich gibt es für diese mögliche Infrastrukturbündelung auch österreichische Normen (5m Abstand zwischen Gas- und Stromleitung etc.).
Strategische Umweltprüfung
Die Behörde, in diesem Fall die Stadtgemeinde Bad Leonfelden, hat eine SUP (Strategische Umweltprüfung) für das geplante Umspannwerk durchzuführen. Dazu hat das Umweltbundesamt wesentliche Punkte definiert, die dabei zu beachten sind:
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Grundsätze der Vorsorge und Vorbeugung
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Sicherstellung eines hohen Umweltschutzniveaus im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung
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Erhaltung und Schutz der Umwelt sowie Verbesserung ihrer Qualität
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Schutz der menschlichen Gesundheit
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Umsichtige und rationelle Verwendung der natürlichen Ressourcen
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Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt
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Sonstige auf internationaler, gemeinschaftlicher, nationaler, regionaler oder lokaler Ebene festgelegte Ziele des Umweltschutzes, die für die Pläne/Programme von Bedeutung sind wie die Bereiche:
– Abfallwirtschaft
– Wasserwirtschaft
– Gewässerschutz
– Raumplanung
– Verkehr
– Naturschutz
– Klimaschutz
– Land- und Forstwirtschaft
– Bodennutzung
– Energiewirtschaft
– Rohstoffwirtschaft
– Industrie
– Tourismus
Im Sinne der Gesetzgebung ist bei dieser SUP auch eine kumulierte Betrachtung all dieser Punkte zu berücksichtigen. Das bedeutet, die Behörde hat Großprojekte, egal ob bereits realisiert oder noch in Planung, bei allen Fachgebieten gemeinsam zu berücksichtigen. Dabei sind auch Projekte der Nachbargemeinden miteinzubeziehen.
Jeder einzelne der oben angeführten Punkte spricht eigentlich gegen diesen geplanten Standort in Langbruck.
Die Stadtgemeinde Bad Leonfelden hat zwar bereits eine SUP durchführen lassen, aber ohne der zwingenden Beteiligung der Öffentlichkeit. Die vielen Einwendungen betroffener Anrainer wurden dabei in keinster Weise berücksichtigt.
Interessant ist, dass in der von der SUP geforderten Alternativ-Standortprüfung zehn „unmögliche“ USPW-Standorte (Langzwettl, Dietrichschlag, Glashütten, Habruck, Elmeck, Langbruck, Liebenschlag, Schenkenfelden, Ober- Unterstifting, Hagau) geprüft und verworfen wurden. Aber ausdrücklich nicht der eigentlich logische Standort im Gewerbegebiet. Obwohl der Strombedarf für das Gewerbegebiet in Bad Leonfelden in dieser unvollständigen SUP einen breiten Raum einnimmt.
Daher ist dieser Versuch, eine SUP und eine darauffolgende rasche Umwidmung des für das USPW erforderlichen Grundstückes herbeizuführen, als gescheitert anzusehen.
IG-Lanschaftsschutz Mühlviertel – Rudolf Niederwimmer